Mark Aslan Kuschels Blog

SQL, Business Intelligence, Microsoft, .Net

Reisebericht Interrail

Tag 0

Am Tag zuvor versuchte ich eine Reservierung im Thalys von Köln nach Paris zu bekommen, doch die Kontingente für InterRail-Reisende waren leider bereits aufgebraucht. Später kam ich auf die Idee stattdessen halt mit dem ICE von Frankfurt über Saarbrücken nach Paris zu fahren. Ein Anruf bei der Bahn.Comfort Hotline konnte mir aufgrund eines Systemfehlers jedoch keine Reservierung bringen, dafür aber die Information, dass noch Plätze zu haben wären – könnte man denn Abholaufträge erstellen.

Tag 1

06:50, Bremen Hbf, schnell ins Reisezentrum um die Reservierung zu besorgen. Doch dort erhielt ich die Information, dass man am selben Reisetag den ICE nicht mehr Reservieren kann, auch wenn der Zug erst am Nachmittag bereitgestellt wird. Na super –.-
Dann erst Mal mit dem 533 nach Hannover und dort nach Frankfurt umgestiegen, dank erste Klasse Upgrade eine Fahrt in angenehm leeren Zügen. In Frankfurt habe ich dann noch eine Reservierung für den Nachtzug von Paris-Bercy nach Venedig Santa-Lucia bekommen, im 6er Abteil. Dan kam der ICE 9554, bis Saarbrücken saß ich in der ersten Klasse. Dann nach dem Klassenwechsel war ich gespannt auf den Aufpreis, doch der Zugchef passierte den Wagen nur für die Fahrgastzählung. Umso besser :) Das Fahrtgeräusch bei 320km/h im ICE-3MF ist übrigens sehr einschläfernd.

Angekommen in Paris-Est versuchte ich mich etwas schlau zu machen, wie ich zum Eiffelturm und in die Stadt komme. Doch das war gar nicht so einfach, ich konnte keinen Linienübersichtsplan bekommen und die Fahrkartenautomaten waren sehr verwirrend. So gibt es in Paris scheinbar keine Tageskarten. Also einen Einzelfahrschein gelöst, einen Linienplan mit 10 Megapixel an der Wand abfotografiert und ab in die Metro 4. Beim Umstieg in der Stadt sah ich, wie jemand die U-Bahn-Station nicht verlasse konnte, da das Ticket nicht mehr gültig war. Ups! Wie lange ist so ein Ding denn gültig? *hmm* Zum Eiffelturm musste ich den Regionalverkehr umsteigen, Linie C. Soweit so gut, nur welche Richtung? Das Ergab sich weder aus der Beschilderung noch aus den Plänen. Also rein in die Station gefragt, war natürlich falsch. Ticket ausloggen (nebenan wieder jemand, bei dem es rot blinkte), Bahnsteigwechsel, Ticket wieder einloggen und dann stellte ich fest, dass es auch noch zwei Ebenen gibt. Ich nahm einfach den nächsten Zug, den ich sah, kam an und konnte sogar aus der Station raus :)

Da ich nicht viel Zeit habe, fotografierte ich den Eiffelturm nur aus nächster Nähe.
Zurück in der Stadt stellte ich fest, dass gerade der Berufsverkehr begonnen hatte. In der U-Bahn-Station ging gar nichts. Eine Metro nach der nächsten kam, doch so voller Menschen, dass kaum jemand einsteigen konnte – und natürlich wollte keiner raus. Nach vier Bahnen schaffte ich es rein, wurde zwei Stationen lang hochdruckkomprimiert und dann musste ich die Linie 14 suchen. Ich bin einfach der Beschilderung gefolgt und gelaufen und gelaufen und … irgendwann war die 14 verschwunden und nur noch die 1 ausgeschildert. Da dachte ich mir, fahre ich mit dieser erst zum Gare de Nyon, esse dort, und dann die eine Station kann ich auch laufen. Immerhin war ich schon 10 Minuten am Suchen. Der Bahnsteig jedoch quoll über und in einer Bahn standen Leute mit sehr unglücklichen Gesichtern, dazu laute Ansagen, alles klar das brauche ich nicht zu probieren. Mein Weg führte mich aus der Station dann raus und in einen Eingang rein, wo ich erst Mal ein neues Ticket lösen durfte und dann war ich plötzlich direkt bei der 14. Mit dieser ging es fix nach Bercy und dort wartete ich auf den Nachtzug. Zu meiner Überraschung war es inzwischen sehr kalt geworden und was vernünftiges zu essen gab es nicht, aber ich hatte ja Kekse im Rucksack.

Sehr interessant fand ich, dass die Abfahrtsgleise – laut Anzeige – maximal 20 Min vor Abfahrt bekannt gegeben werden. Man stelle sich das Gemecker der Leute vor, wenn die Deutsche Bahn sowas einführen würde! Um 19:50 war es dann soweit, der Nachtzug stand am Gleis R, die Polizei kontrollierte die Pässe. Irgendwas war an meinem Personalausweis auszusetzen, aber dann durfte ich doch rein. Das 6er Abteil teilte ich mir mit zwei Amerikanerinnen und einem Portugiesen, der leider kein Englisch sprach. Und von uns dreien Sprach keiner portugiesisch. Immerhin konnten wir herausfinden, dass er einen Teil seiner Familie besucht und in Verona aussteigen wird. Ansonsten war der Abend ganz nett. Die Fahrt war recht unruhig, es gab einige Betriebshalte (vermutlich Lok-, Personalwechsel und Passkontrollen. Damit wir nicht von Menschen geweckt werden, wurden uns Fahrkarten und Pässe zu Beginn der Fahrt vom Zugchef abgenommen und am Morgen wieder ausgehändigt.

Tag 2

Der Zug war ganze 20min zu früh, sodass es im Bad schnell gehen musste. Nach kurzer Verabschiedung von den Amerikanerinnen ging es dann nach Venedig. Eine Stadt ohne Autos, ohne Fahrräder und einem ÖPNV aus Booten. Alles wird dort zu Fuß und per Boot erledigt, durch die Wege hallt es immer wieder “Attenzione!” wenn ein Mann mit Karren den Weg durchquert. Ob Pakete, Getränke oder Pizza – alles wird so transportiert. Die Gebäude sind überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und früher, was man Ihnen ansieht. Sehr interessant anzusehen ist die nachträglich eingebaute Infrastruktur: Strom- und Telefonleitungen und manchmal auch Wasserleitungen sind von Außen angebracht und gehen nahe eines Fensters in ein Gebäude. Über den Ortskern Rialto bin ich nach San Marco, dort gab es schöne Musik und einen großen Turm. Auf dem Rückweg zum Bahnhof bin ich Umwege gelaufen und kam an einem Mc Donalds vorbei, der passte optisch überhaupt nicht rein, aber es gab dort kostenloses WLAN.

Am Nachmittag bin ich mit einem EC erst nach Verona um von dort mit einem Regionalzug nach Mailand zu fahren. Die Fahrt war angenehm, die Aussicht auf die Alpen schön, und eine Unterhaltung mit einer Deutsch-Studentin nett. In Mailand beeindruckte mich erst der große pompöse Bahnhof, doch der Rest eher nicht so. Immerhin fand ich ein Hotel, das vom Preis ok war (55 € +  8€ WLAN), aber auch so manche Probleme hatte. U.a. war der Lichtschalter im Bad mit einem Zufallsgenerator gekoppelt und emittierte binäre Signale im Sekundentakt (Licht an-an-aus-an-aus-aus-aus-an-aus-…). Um die Ecke war ein DB Reisezentrum mit deutschsprachigen Mitarbeitern, damit rechnete ich in Mailand am wenigsten. Dort kaufte ich kurzerhand meine Reservierung für den Cisalpino.

Tag 3

Ausgeschlafener, als an Tag 2, ging es nun wieder auf Achse. Ich nutzte nochmal das DB Reisezentrum um mir meine Rückfahrkarte für Tag 5 vom Grenzbahnhof Bremen nach Emmerich zu lösen. Dabei konnte ich sogar bahn.comfort Punkte sammeln.

Im Bahnhof Milano Centrale war der Ablauf sehr chaotisch. Auch hier das System der Bahnsteigbekanntgabe vor Abfahrt, allerdings nicht 20min vorher, sondern irgendwann. Ich hatte noch 90min, der Cisalpino nach Zürich war bereits bereitgestellt, so hatte ich Hoffnung, dass ich auch nicht lange warten müsste. Dem war natürlich nicht so, die Gleisangabe erschien 10min vor Abfahrt. Es ist übrigens sehr lustig anzusehen, welch Menschentraube sich in Bewegung setzt, sobald ein Zug angekündigt wird. Erstaunlicherweise ohne Verspätung oder sonstige Komplikationen ging es im Cisalpino nach Basel. Die Fahrt war sehr imposant. Bis Domodossola ging es sehr langsam voran, nach mehreren Tunneln kamen wir zum Lötschberg-Basis-Tunnel, dem ersten HGV-Abschnitt auf der Strecke. Am Ende des Tunnels war es aber wieder aus mit HGV, ein Zustand, den ich noch mehrere Male an dem Tag in der Schweiz erlebte. Ein Mitreisender Gegenüber hat mehrfach mit mir versucht zu kommunizieren, doch gestaltete sich dies schwierig, da ich kein Italien und er kein Englisch, Deutsch oder Französisch konnte. In Basel angekommen war ich gespannt darauf den Gare SNCF zu finden. Instinktiv entschied ich mich für die richtige Richtung und sah in einer der vielen Bahnsteighallten ein großes Schild “FRANCE”. Im Reisezentrum zog ich noch kurz eine Nummer, fragte nach einer Pflichtreservierung und brauchte aber gar keine. Nachdem ich durch das Tor “FRANCE” gegangen war, hatte ich den Eindruck grad ein Paralleluniversum betreten zu haben. Gerade war ich noch in Basel SBB, einem modernen mit Leben gefülltem Bahnhof. Basel SNCF hingegen besteht aus verlassenen Geschäften, leeren Räumen mit rustikalen Holzwänden und ein paar einzelne Reisende sowie ein wenig Personal.

Es dauerte nur ein paar min und der Eurocity wurde aus einem der Schweizer Gleise herein rangiert. Ich nahm Platz und auf ging es nach Luxembourg. Der EC füllte sich in Colmar gut und war auch bis Thionville sehr gefüllt. Die Landschaft an der Strecke war wenig spannend, der Sitzplatz aber ganz gemütlich. In Luxemburg gab es im Bahnhof eine elektronische Touristeninformation mit Stadtplan, sodass ich mein Hotel schnell ausfindig machen konnte. Keine zwei Minuten zu fuß war ich dort, das Hotel Mercure bot mir ein schönes Zimmer zu einem guten Preis. Vielleicht lag der günstige Preis an den beiden Striptease-Bars neben dem Hotel, aber das war mir egal. Hauptsache man schläft gut und es gibt Internet.

Tag 4

Das Frühstück war ganz okay, nach dem Checkout wollte ich eigentlich noch in die Luxemburger Innenstadt, doch ein Regenschauer änderte meine Entscheidung schnell. Ich nahm den 10:24 IC Richtung Brüssel, ein Triebwagen der SNCB. Mit einer gemütlichen Geschwindigkeit dauerte es zwei Stunden bis Namur, dort stieg ich um in den IC nach Liége. Hier wurde die Landschaft wieder etwas bergiger, die Geschwindigkeit war weiterhin langsam. Angekommen in Liége-Guillemins staunte ich über den Bahnhof nicht schlecht. Die Bilder sprechen für sich. Danach ging es mit einem belgischen IC über eine HGV-Strecke nach Brüssel mit nur einem Zwischenhalt. Der IC der NS von Brüssel nach Amsterdam hat mich dann doch etwas überrascht. Alte braune Ledersitze und ein sehr lautes Fahrgeräusch – und das für drei Stunden. Gerne hätte ich ein paar Fotos gemacht, auch von der parallel zu sehenden HSL Zuid, aber leider waren die Fenster so dreckig, dass daran überhaupt nicht zu denken war. Ich war froh, als ich in Amsterdam angekommen war. Meinen für den Abend geplanten Stadtbummel musste ich allerdings streichen, da ich feststelle, dass die Strecke nach Utrecht wegen Bauarbeiten gesperrt war. Mein Hotel lag natürlich auf einem der Unterwegshalte. Die offline Reiseauskunft empfahl mir den IC bis Utrecht und dann den Schienenersatzverkehr. Ein anderes Hotel in Amsterdam kam auch nicht in Frage, da aufgrund des Ferienbeginns und einer Großveranstaltung fast alle Hotels ausgebucht waren und nur noch Betten zu Mondpreisen übrig geblieben sind. Also mache ich mich auf den Weg nach Breukelen, Reisezeit 2 Stunden statt 24 Minuten. Der umgeleitete IC war kurz vorm Platzen, die Leute quetschen sich in die Gänge. In Utrecht war ich von dem großen Bahnhof überrascht, offenbar ist Utrecht doch eine recht große Stadt. Das auffinden des Ersatz-Busverkehrs war jedoch nicht so einfach, da es sehr viele Ausgänge gab, die zu diversen Bussen zeigten und der NS Bus erst kurz vor dem richtigen Ausgang ausgeschildert war. Als ich diesen endlich gefunden hatte ging es mit einer rasanten Fahrt durch Utrecht über die Autobahn nach Breukelen. Dort gab es für mich gleich die nächste Überraschung. Das vermeintlich günstige Hotel in einem kleinen Vorort entpuppte sich als sechs Sterne Motel, das aufgrund von Restaurierungsarbeiten derzeit die Preise gesenkt hatte. Noch nie habe ich in einem so großen Hotelzimmer übernachtet. Die Nacht war ruhig und erholsam.

Tag 5

Auch das Frühstück hatte seine sechs Sterne verdient. Neben einer riesigen Auswahl an allem möglichen und diversen frisch gepressten Säften, gab es sogar eine offene Küche mit zwei Köchen, die einem auf Wunsch zubereiteten, wonach einem gerade war. Wahnsinn.

Auf der online Reiseauskunft der Bahn stellte ich fest, dass ich mit dem Bus auch bis Amsterdam und dann mit der Metro nach Amsterdam Centraal kommen kann – und zwar in gerade Mal 40min. Anstatt direkt zurück zu fahren entschied ich mich dann doch noch für eine Runde durch Amsterdam. Es war dort weniger voll, als am Abend zuvor und so kam ich etwas herum. Zu fuß und mit der Straßenbahn sah ich einiges und muss sagen, dass sich eine Besichtigung durchaus lohnt. Und es lohnt sich bestimmt auch etwas mehr Zeit mitzubringen und dann mit einer Bootsrundfahrt die Stadt zu erkunden. Überall in Amsterdam sind Kanäle und Brücken, irgendwie ein Venedig 2.0. Eine weitere Ähnlichkeit mit Venedig sind die vielen kleinen Läden, die diverse Süßspeisen anpreisen. Da konnte ich nicht wiederstehen, was ich nicht bereut habe.

Zurück am Bahnhof nahm ich um 14:14 den ICE International und konnte nun bei Tageslicht die Umleitungsstrecke betrachten. Glücklicherweise waren die Plätze in der Lounge nicht reserviert, sodass ich einen schönen Ausblick auf die Strecke hatte. Gemütlich ging es dann die Umleitung – nun bei Tageslicht – nach Utrecht und dann zurück nach Deutschland. In Essen begegnete ich noch mehreren Sonderzügen der (nach Lautsprecheransage) “tollen Müllertouren”. Die Fahrgäste waren gut angeheitert. Zurück ging nach Bremen ging es dann mit einem recht vollen IC, in dem ich aber auch eine nette Gesprächspartnerin hatte.

Fotos

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BahnCard 100 für einen Monat: Deutschlandpass

Da ich in der letzten Zeit immer wieder verdutzte Gesichter sehe, wenn ich erzähle, dass ich derzeit einen “Deutschland-Pass” von der Bahn habe, stelle ich diese Fahrkarte kurz vor.

Diesen Sommer bietet die Bahn eine Bahn-Flatrate auf vier Wochen an. Und das sogar ziemlich günstig!
Der Preis für bis zu 25 Jährige ist 249 €
Bei über 26 Jahren sind es 299 €

Das ist weniger, als eine BahnCard 100 monatlich kostet!

Man darf nahezu alle IC/ICE/CNL/IR/RE/RB Züge und auch viele Privatbahnen benutzen. Ausnahme bildet dort nur der SEE-Tarif, ebenfalls darf man nur innerhalb Deutschlands bzw. bis zu den Grenzbahnhöfen fahren. (Letzte Woche war ich z.B. mit dem Railjet von München nach Salburg gefahren).

Leider endet die Aktion am 31.08.
Was gegenüber der BahnCard 100 auch fehlt ist das City-Ticket sowie ein .comfort Status bzw. die Möglichkeit punkte zu sammeln. Finde ich bei dem Preis aber auch in Ordnung.

Also wer noch das Land unsicher machen möchte: Schnell zum Fahrkartenautomaten, ins Reisezentrum oder einer DB-Agentur!